• checkliste TH 2Aufrecht tragen: Das Kind sollte von Geburt an aufrecht getragen werden, damit es eine Haltung einnehmen kann, die die Wirbelsäulen- und Hüftentwicklung unterstützt. Die Wiegeposition in Tuch oder Tragehilfe empfehlen wir nicht mehr, auch nicht zum Stillen. Das Kind kann hier die für die Hüftentwicklung wichtige Anhock-Spreiz-Haltung nicht einnehmen, die Wirbelsäule wird nicht entlastet. Die Atmung kann behindert werden.
  • Gesicht des Kindes zeigt zur tragenden Person: Nur so kann das Kind in Anhock-Spreiz-Haltung unterstützt werden, den Rücken bei Entspannung runden und sich Umgebungsreizen selbständig entziehen. Will es mehr sehen, so empfehlen wir eine Hüft- oder Rückentrageweise. Beim Rückentragen in Tragehilfen sollte insbesondere bei (noch) fehlender Kopfkontrolle auf eine gute Stützung, ggf. durch Nutzung von Hilfsmitteln, geachtet werden.
  • Kopf gut gestützt: Besonders bei kleinen und schlafenden Kindern ist eine ausreichende Kopfstützung durch eine (verstellbare) Nacken- oder Kopfstütze wichtig. Bitte darauf achten, dass das Gesicht nicht durch Kleidung, Schal der Tragenden, große Kopfstütze oder ähnlichem bedeckt wird, damit die Atemwege frei beiben. In der Regel reicht die Stützung des Kopfes bis auf Höhe der Ohren, so dass die Luft frei zirkulieren kann. Das Kinn des Kindes sollte dabei nicht auf seine Brust sinken.
  • Gerundeter und gestützter Rücken: Wenn das Kind sich entspannt oder schläft, sollte sich sein Rücken möglichst gut runden können und dabei überall fest gestützt werden. Das Kind darf nicht zusammensacken, es soll ganz nah am Körper der tragenden Person sein. Sie darf nicht das Gefühl haben, dass sie es noch zusätzlich mit der Hand stützen müsste. Ein waches Baby kann ab einem gewissen Entwicklungsstand auch mit geradem Rücken in der Tragehilfe hocken, wenn es diese Haltung aus eigener Muskelkraft einnimmt. Es muss dabei trotzdem gut gestützt sein. Spätestens wenn es sich entspannt oder einschläft, sollte sein Rücken wieder runder werden können. Tragehilfen, deren Schulterträger unabhängig vom Kind geknotet werden, ermöglichen das Rundwerden des kindlichen Rückens je nach Material gut, z. B. Mei Tais, Halfbuckles oder Wrap Conversions mit Tragetuchstoff im Bereich des Rückenteils. Tragehilfen, deren Träger über dem Kinderrücken gekreuzt werden, mittig oder seitlich am Rückenteil enden/befestigt werden, lassen die Rundung des Rückens weniger gut zu.
    Test: Vorsichtig nach vorne beugen und spüren, ob das Kind ganz nah am Körper dran bleibt (richtig) oder in den Beutel der Tragehilfe sinkt (falsch). Das Rückenteil sollte im Bereich des Rückens keine Falten werfen und eng anliegen.
    Sieht der kindliche Rücken in der Tragehilfe stark gerundet aus? Dann bitte testen, ob das Kind ausreichend gestützt wird (sprich, die Tragehilfe ausreichend fest gezogen wurde). Aufgrund der Konstruktion von Tragehilfen kann sich der Rücken des Kindes bei richtigem Anlegen nämlich nicht so gut wie in einem gut gebundenen Tragetuch runden. Achtung: Ist das Kind zusammengesackt (scheinbar gut gerundet) kann die Atmung behindert werden, zudem werden Wirbelsäule und Bandscheiben belastet.
  • Symmetrische Haltung: Das Kind sollte symmetrisch in der Tragehilfe hocken. Ist es schief positioniert, kann man auch nach dem Knoten nochmals links und rechts mit den Händen in die Tragehilfe an das Kind gehen, die Haltung sanft korrigieren und danach noch einmal den oder die Träger nachstraffen.
  • Angemessene Spreizung: Die Spreizung der Beine wird zwischen den Oberschenkeln des Kindes gemessen. Sie sollte im Idealfall ca. 90 Grad betragen, also einen rechten Winkel ergeben. Bei Tragehilfen ist dies konstruktionsbedingt schwerer zu erreichen als im Tragetuch. 
  • Knie angehockt: Bei Tragehilfen empfehlen wir eine Anhockung, die zur meist etwas größeren Spreizung der Beine (über 90 Grad) passt. Die Knie des Kindes sind ca. bis auf Höhe seines Pos angehockt, mit leichter Orientierung nach oben. Wichtig ist, dass der Po nicht zu stark nach unten absinkt und sich dadurch der Zug auf die Kniekehlen des Kindes erhöht.
  • Steg von Kniekehle zu Kniekehle: Der Steg einer Tragehilfe bezeichnet die Verbindungsstelle zwischen Rückenteil und Hüftgurt. Reicht der Steg von Kniekehle zu Kniekehle, kann das Kind bequem in der Tragehilfe hocken, seine Bänder und Muskeln sind entspannt, die Unterschenkel und Füße kann es frei bewegen.
  • Freie Atemwege: die Atemwege des Kindes müssen immer frei sein, so dass die Luft zirkulieren kann. Das Rückenteil sollte also bis max. knapp über die Ohren reichen, der Kopf darf nicht in der Tragehilfe verschwinden. Sind die Schulterträger zu breit und reichen über das Gesicht des Kindes, so kann man sie in der Breite mit einem Band abbinden. Die Kopfstütze beim Tragen vor dem Bauch bitte so zusammenraffen, dass sie den Kopf nicht komplett bedeckt. Den Kopf des Kindes ggf. sanft drehen, dass es mit seiner Wange am Oberkörper der Tragenden aufliegt. Sein Kinn darf nicht auf seine Brust sacken, der Kopf nicht nach hinten fallen.
  • Kein unnötiger Druck auf die kindliche(n) Beine/ Hüfte: Die Träger werden unter den Beinen des Kindes durchgeführt und unabhängig vom Kind geknotet. Ausnahme: Bei großen und schweren Kleinkindern können die Träger über den Beinen gebunden werden und zur Verlängerung des Stegs und/oder zusätzlicher Entlastung der Tragenden dienen. Dabei darauf achten, dass die Träger nicht einschneiden und der Po gut gestützt ist.

Weiter zu  den verschiedenen Tragehilfenarten

Zurück zur Übersicht